August 2016 First Hamburger Dykemarch – Die Hamburger Lesben-Demo
“Lesben demonstrieren und feiern für ihre Forderungen und Rechte im Rahmen des CSD Hamburg! Wir starten auf dem CSD-Straßenfest und enden auf der Lesbenparty in den in den Seeterassen. Auf Zwishenkundgebungen widmen wir uns unserer eigenen Geschichte (Herstory) und unseren mangelenden finanziellen Ressourcen. Alle Lesben sind eingeladen! Lesbennetzwerk Hamburg powered by Dykes* on Bikes, Hotel Hanseatin, Intervention und pride.”
So rief das Lesbennetzwerk Hamburg vor 10 Jahren zum 1. Dyke march auf. Endlich ein deutliches Zeichen für mehr Sichtbarkeit von Lesben. In all Ihrer Vielfalt. Alle Lesben waren und sind eingeladen. Daraus hat sich erfreulicherweise eine Lesbendemo entwickelt, deren Forderungen von vielen getragen werden, auf der sich FLINTAs in ihrer Diversität wohl fühlen. Auf der sich Nicht-Lesben hinter die Forderung nach mehr Sichtbarkeit von Lesben stellen.
Das ist gut und bestärkend.
Nicht gut ist, dass sich abgegrenzt wird, gegen feministische Lesben, die für sich Grenzen benennen. Grenzziehungen sollten immer das Recht marginalisierter Gruppen sein. Grenzziehungen waren notwendig um Identitäten zu entwickeln um letztlich Vielfalt hervorzubringen. Es schwächt uns, wenn wir die meisten blauen Flecken aus den eigenen Reihen abbekommen. Der Feind steht woanders, nämlich rechts.
Die Definition der 80er Jahre: Eine Lesbe ist eine Frau, die sich vor allem versucht auf Frauen zu beziehen, ist nicht mehr aktuell, aber trifft auf viele Feministinnen immer noch zu. Die Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen ist immer noch täglicher Alltag des Patriachats auf der ganzen Welt.
Lesben und Transidente haben sich im Stonewall Inn gemeinsam erfolgreich gegen Razzien gewehrt, dieses historische Bündnis hat über Jahrzehnte mit mehr oder weniger Gemeinsamkeit gehalten.
Lesben sind Wegbereiterinnen für Vielfalt. Vielfalt der Identitäten und des Geschlechterrollenverständnisses – vergessen wir die Butches nicht, unsere Wegbereiterinnen. Vielfalt der Lebensformen: Von der Ablehnung der bürgerlichen Ehe über die Schlampagne hin zu kollektiven Lebensprojekten.
Aus vielen systemkritischen Analysen heraus wurde die Kleinfamilie als Keimzelle der Gesellschaft als der systemstabilisator entlarvt. Wir hier in unserer Vielfalt stabilisieren das bestehende System nicht, sondern bringen es durcheinander. Das ist gut so. Lasst uns die Vielfalt feiern und alles dagegen tun, was die Gemeinsamkeit gefährdet.
Unser gemeinsamer Feind steht Rechts. CSDs werden angegriffen von jungen Nazis, in reaktionären Ländern verboten, bzw. es wäre unmöglich einen CSD oder Dykemarch überhaupt anzumelden. Solidarität mit allen angegriffenen CSDs. CSD statt AFD.
Unsere Solidarität gilt allen Opfern rechter Gewalt. Unser Kampf gilt allen, die rechtsextremistisch, faschistisch sind oder ihr Handeln tolerieren.
Aus dem Aufruf zum diesjährigen Dykemarch: Der Rechtsruck verschärft diese Unsichtbarkeit und bedroht unsere Existenz. Gewalt gegen Lesben* wird instrumentalisiert, um eine grausame, sich verschärfende Migrationspolitik zu rechtfertigen und langfristig auch unsere Rechte einzuschränken. Rechtsruck beinhaltet ein toxisches konservatives Familienbild, das auf Heteronormativität, und Ausschluss jeglicher Diversität basiert.
Lasst uns sichtbar, bunt und vielfältig gemeinsam feiern und noch viele Dyke* Marches erleben!

