Liebe Dykes, liebe Mitstreiterinnen, liebe Freundinnen, liebe Allies – Danke, dass ihr alle da seid, danke, dass ihr euch heute, zum 10. Jubiläum des Dyke March Hamburg, mit uns die Straße nehmt.
Danke, dass ihr euch mit uns gemeinsam gegen jede Heteronormativität, gegen Sexismus, patriarchale Gewalt, Transfeindlichkeit und gegen Faschismus und jeden Rassismus stellt!
Danke, dass wir heute gemeinsam laut und kämpferisch sind!
Wir sind heute nicht nur hier, weil es schön ist, uns zu feiern.
Wir demonstrieren auch, weil wir müssen. Wir stehen hier heute mit gemischten Gefühlen.
Einerseits sind die Pride Week und der Dyke* March für uns wichtige Momente, in denen wir als Community zusammenkommen. Momente, die uns die Kraft geben, weiterzukämpfen und sichtbar zu sein. Andererseits gilt leider auch noch 2025: Lesben* sind nicht gleich sichtbar. Nicht gleich sicher. Nicht gleich vertreten.
Lesbisches* Leben ist politisch. Und es ist gefährdet. Dass die neue Regierung Regenbogenflaggen aus Abgeordnetenbüros entfernt haben will – so dringend, dass dafür sogar die Bundestagspolizei gerufen wird – zeigt, wie politisch unerwünscht queere Symbole sind. Wie politisch unerwünscht wir sind.
Wenn Friedrich Merz klarstellt, der Bundestag sei für ihn „kein Zirkuszelt“, dann entwertet er damit uns, unsere Anliegen und unsere Kämpfe. Diese Entscheidungen stehen jetzt schon exemplarisch für den politischen Rechtsruck, den wir gerade erleben und bereiten uns auf das vor, was noch kommt. Dem müssen wir uns entschieden entgegenstellen!
Mit dem Dyke* March wollen wir die öffentliche Aufmerksamkeit gezielt auf Lesben* und Dykes* lenken. Wir werden in der Mehrheitsgesellschaft und oft auch in der LGBTQIA+- Community nicht wahrgenommen. Diese Unsichtbarkeit versperrt uns kulturelle und politische Teilhabe und demokratische Mitgestaltung.
Lesben* und Dykes* werden diskriminiert, weil das patriarchale System nur zwei Geschlechter und ihre festgefahrenen Geschlechterrollen kennt, aus denen wir ausbrechen. Frauen sollen einen Mann heiraten und Kinder gebären. Ihnen wird keine eigene Sexualität zuerkannt. Lesben* sind der Beweis, dass dies nicht der Wahrheit entspricht. Wir Dykes* brechen da aus.
Und auch deshalb erfahren wir systematische Gewalt.
In Zeiten des Rechtsrucks und weiter florierenden Faschismus nimmt auch Antifeminismus zu, wovon wir als Dykes* ebenfalls massiv betroffen sind. Denn wir entziehen uns der Heteronormativität.
Die Hasskriminalität gegen queere Menschen nimmt zu, zusätzlich gab es 2025 bereits mindestens 28 Femizide in Deutschland.
Währenddessen wird die aggressive Migrationspolitik unserer rechtskonservativen Regierung auch mit einer vermeintlichen Bedrohung von Frauen und Queers durch Migrantinnen gerechtfertigt.
Aber wir lassen uns nicht instrumentalisieren! Wir stehen solidarisch mit allen Schutzsuchenden weltweit!
Wir fordern:
- Eine sofortige Aussetzung von Abschiebungen (queerer) Geflüchteter, insbesondere in queerfeindliche Herkunftsstaaten und eine queere Sensibilisierung in der Asyl- und Sozialpolitik!
- Wir fordern die Ergänzung des Artikels 3 des Grundgesetzes, um die Merkmale „sexuelle und geschlechtliche Identität“!
- Wir fordern die Reform des Abstammungsrechts, die Beendigung der Stiefkind -Adoption lesbischer Mütter und die Gleichstellung nicht-heteronormativer Eltern im Adoptionsverfahren! Und Entschädigung für alle, die unter dem Entzug des Sorgerechts ihrer Kinder leiden mussten!
- Wir fordern die Entschädigung von Lesben, die im Nationalsozialismus als sogenannte „Asoziale“ verfolgt und entrechtet wurden – durch Rehabilitierung und Sichtbarkeit im Gedenkdiskurs und finanzielle Fördergelder für die Erforschung unserer Geschichte
- Wir brauchen endlich einen Aufbau und die Förderung von gemeinschaftlichen und bezahlbaren Wohnformen für Lesben!Wir brauchen Wohn- und Pflege-Gemeinschaften für Lesben* und die Umsetzung lesbenrespektierender Qualitätskriterien in der Pflege!
- Wir fordern ökonomische Gerechtigkeit für Lesben und FLINTA! Der Gender Pay Gap gehört endlich abgeschafft. Unsere Care-Arbeit und unsere Ehrenämter gehören im Rentensystem anerkannt!Und es braucht endlich vernünftige Maßnahmen gegen Altersarmut! Wovon sollen wir leben, wenn jeder 3. Frau in Vollzeitbeschäftigung eine Rente unter 1.000 € droht?Wie sollen wir überleben, wenn wir, für die gleiche Arbeit, 18% weniger verdienen als cis Männer?
- Wir fordern die Entschädigung aller inter* Personen, die medizinisch nicht-notwendige Zwangseingriffe erleiden mussten und die Umsetzung aller Forderungen der Selbstvertretungen von inter* Personen
- Wir fordern die Aufarbeitung und Entschädigung von Zwangssterilisationen und Therapiezwang an trans* Personen
Also: Auf die Straße für lesbische* Sichtbarkeit! Auf die Straße gegen den Rechtsruck! Stay United

